Hundetraining in der Schule

Hundetrainer in der Schule

„Kann dein Hund einen Purzelbaum in der Luft machen?“

, fragte mich neulich ein Grundschüler an einer Berliner Schule im Wedding. Ich musste nicht lange über eine Antwort nachdenken: „Ja, so einen Purzelbaum kann er sicher machen, aber warum sollte er das tun?“ Die Schüler einer Grundschulklasse an der Leo-Lionni-Grundschule in Berlin saßen vor mir und guckten mich verwundert an. Als ich schon annahm, das jemand mir antworten würde, dass es lustig wäre, meldete sich eine Schülerin und sagte : „Er macht den Purzelbaum, weil wir Menschen das so wollen.“

Gnadenlos ehrlich und offenherzig

Da war er wieder- so ein Schlüsselmoment- wie er oft beim Besuch von Schulklassen vorkommt. Die Arbeit mit Kindern ist erhellend, weil man sich auf eine andere Art des Denkens einlassen muss, um sie zu verstehen-ähnlich wie im Knickohr-Coaching. Es ist immer wieder erstaunlich mit welcher Neugier die Kinder auf mich zukommen und wie sie Dinge angehen.
Kinder sind so, wie ich mir Idealklienten zusammen bauen würde, wenn ich könnte: offen, frei von Vorurteilen und sehr sehr ehrlich. Erst später passen sie sich unserem Leben an und lassen sich von Ängsten und Sorgen leiten, statt dem Hunger nach Verwirklichung ihrer Träume und der Neugierde zu folgen.Hundetrainer Schule Toni Baganz Knickohr

Viele Schüler mit türkischen und arabischen Background

Die Einladung einer Schule ist jedes Mal eine dankbare und spannende Aufgabe, denn Kinder und Hunde, so unterschiedlich sie auch sein mögen, haben jedoch gemein, dass jede unserer Aktion eine sofortige Reaktion mit sich bringt. Das macht das Vermitteln von Inhalten wesentlich einfacher und auch attraktiver, da das Publikum einem sofort Feedback gibt. Diesmal bestand eben jene Zuhörerschaft vor allem aus Schülern und Schülerinnen zwischen 6 und 11 Jahren mit überwiegend türkischen und arabischen Background.

Umdenken auch in der Schule – nicht nur beim Thema Hund

Im Rahmen einer Projektwoche wurde ich von Lehrerinnen und Lehrern der Leo-Lionni-Grundschule eingeladen, um eine andere Sichtweise (die Knickohr Sicht) auf den Hund vorzustellen. Vorher besuchte bereits der Schulhund die Klasse und die Kinder konnten zunächst in Kontakt mit dem Hund kommen und Techniken konventionellen Hundetrainings kennen lernen. So wie Knickohr die übliche Betrachtung von Hunden und den Umgang mit ihnen in Frage stellt, so beginnt man auch heute in der Schule umzudenken. Den Lehrerinnen und Lehrern ist es wichtig, das Schülerinnen und Schüler Erfahrungen außerhalb ihres gewohnten Umfeldes sammeln können und sich trauen, Gewohntes zu hinterfragen. Die Klassenlehrerin betonte: „Hundetraining für Schulklassen bedeutet, dass die Kinder praktisch mit dem Hund lernen können und das ist das beste und nachhaltigste Lernen, was wir uns für unsere Kinder wünschen können. Die Reaktion des Hund ist dabei wie ein Spiegel, der dem Kind zeigt, welche Wirkung das eigene Handeln und Verhalten hat. Es ist ein tolles Training, um Empathie und Achtsamkeit zu üben, denn gerade in diesem Bereich haben viele unserer Kinder basale Entwicklungsrückstände.“ 

Es ist die Tendenz zu beobachten, dass in unseren Schulen ein Bewusstsein entsteht, Schülerinnen und Schüler viel mehr in lebenspraktischen Dingen weiter- und auszubilden. Der Gang mit der Schulklasse in die Natur, in den Schulgarten, auf den Biobauernhof oder die Kinderfarm ist zu einem wichtigen Bildungsinhalt avanciert und ein Dauerbrenner bei den Kindern- eine echte Win-Win-Situation. Diese außerschulischen Lernorte genießen glücklicherweise auch zunehmend mehr Aufmerksamkeit in den neuen Lehrplänen. Neben dem Wissen über unsere Natur und eine gesunde und nachhaltige Lebensweise sollen Schülerinnen und Schüler auch mehr mit und über Tiere lernen.

Wann hat ein Hund Angst und warum muss er Sitz und Platz machen?

In diesem Kontext wurde Knickohr.com von der Leo-Lionni-Grundschule eingeladen, Schülerinnen und Schüler zum Thema Haustier Hund fit zu machen. Ich besuchte eine jahrgangsübergreifende (JÜL) Klasse, in der Kinder von der 1. bis zur 3. Klasse lernen und staunen. Die Kinder erlebten einen Schulvormittag, der sich ganz um die Welt der Hunde drehte. Im Mittelpunkt stand dabei das Vorwissen und die Fragen der Schülerinnen und Schüler, die in Vorbereitung auf das Hundetraining mit den Lehrkräften erarbeitet wurden. Der Wissensdurst der Kinder reichte von “ Was und wie viel sollte ein Hund fressen?“-„Wie verhalte ich mich, wenn ich auf einen fremden Hund treffe?“ über „Was mache ich, wenn ich Angst vor einem Hunde habe?“- „Wie kümmere ich mich richtig um meinen Hund?“ bis hin zu „Wann hat ein Hund Angst?“-„Wann fühlt er sich unwohl oder bedroht und woran erkenne ich es?“ und „Warum muss ein Hund Sitz und Patz machen?“. Hundetrainer Wedding Berlin

Beim Austausch entstanden viele Aha-Momente für die Schülerinnen und Schüler, gerade bei der Reflexion über Sinn und Unsinn der zuvor gesehenen herkömmlichen Methoden des Hundetrainings. Ein toller Moment war, als Kinder, die in ihrem alltäglichen Umfeld eigentlich nie mit Tieren in Kontakt kommen, Berührungsängste überwinden konnten und sich trauten mit dem Hund zu interagieren. Die Lehrerinnen und Lehrer betonten: „Es war uns wichtig, dass die Kinder den Hund nicht weiter als Spiel-oder Kuschelobjekt sehen, sondern ihn als Lebewesen mit eigenem Charakter und als loyalen und treuen Freund kennen lernen.“

„Ich möchte auch einen Hund, wenn ich mal groß bin!“, so lautete schließlich das Fazit vieler Kinder mit dem ich an diesem Vormittag verabschiedet wurde.

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